Montag, 16. März 2015

Pastellporträt

Me, Myself and I - Cemal Amac (2012)

Manchmal ist man sich im Leben selbst ein Rätsel. Im gesetzten Alter steht das Leib-Seele-Problem noch stärker im Vordergrund, den der Weilheimer Künstler Cemal Amac in einem stark verfremdeten Selbstporträt ausdrückt. Die Frage nach dem "Wer bin i(ch) ?" wird durch eine enigmatische Dreideutigkeit der eigenen Person mit dem Bildtitel "Me, Myself and I" beantwortet. Schemenhaft erkennt man einen Menschenkopf, der das "Tüpfelchen auf dem i" auf der Suche nach dem eigenene Ich gefunden hat und den Daumen hochhält. Eine optimistische Geste.

Das Porträt ist aber kein Puzzle, sondern Abbild der tatsächlichen Lebensbefindlichkeit als Tetrisbild, worin die Person als Produkt der auf ihn - bildlich gesprochen - spontan zufallenden Umstände dargestellt wird, die sie fortwährend versucht zu meistern und die sie aber zwangsläufig prägen. Die Persönlichkeit wird also als plastische Verformung des Selbst durch die aktuell gegebenen Lebensumstände verstanden. Im Selbstporträt passt sich die Person förmlich an neue Farbkonturen seiner Umgebung an und nimmt so unfreiwillig neue Gestalten an. Es bleibt die Erkenntnis, dass ein einziges, neues Ereignis das Selbstbildnis wiederum völlig verändern könnte.

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